PARZIVAL-PROJEKT

Kontakt

Prof. Dr. Michael Stolz (Universität Bern),  Institut für Germanistik, Länggasstr. 49, CH-3012 Bern,

Tel.: +41 (0)31 631 83 04

Im Rahmen eines vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projekts erarbeitet ein von Prof. Dr. Michael Stolz geleitetes Forschungsteam an der Universität Bern eine digitale Ausgabe des ›Parzival‹ Wolframs von Eschenbach. Dabei wird eine Edition nach Fassungen erstellt, die auf Volltranskriptionen aller Textzeugen beruht und in Anlehnung an den von Joachim Bumke geprägten Fassungsbegriff vier Textfassungen dokumentiert: *D (basierend u.a. auf Handschrift D), *m (basierend u.a. auf den Handschriften mno), *G (basierend u.a. auf den Handschriften GI LM OQR Z), *T (basierend u.a. auf den Textzeugen TUVW). Als Fassungseditionen liegen inzwischen die Bücher I–II, IV–VI, VIII, IX–XVI sowie Teile von Buch III vor.

Durch die Neuedition wird die Unfestigkeit des Textes in ihrer überlieferungsgeschichtlichen Vielfalt sichtbar. Gleichzeitig ermöglichen elektronische Speicherverfahren auch einen neuen Blick auf handschriftliche Beziehungen. Hierbei kann auf stemmatologische Vorgehensweisen zurückgegriffen werden, die sich an in der Evolutionsbiologie entwickelte Methoden anlehnen. Anstelle von historischen Genealogien handschriftlicher Stammbäume gehen diese Verfahren von Verknüpfungen in sogenannten ‚unrooted trees‘ aus, die keinen Aufhängungspunkt haben und auf die von einem Archetypus ausgehenden Verzweigungen verzichten. Dieses Abstraktionsniveau macht das Aufzeigen von Beziehungen zwischen handschriftlichen Varianten möglich, ohne dass daraus schon zwingend genealogische Abhängigkeiten erschlossen werden. In Zusammenarbeit mit Biologen und Philologen an den Universitäten Cambridge (England) und Helsinki (Finnland) konnten solche ‚unrooted trees‘ zu verschiedenen Abschnitten des ›Parzival‹-Romans erstellt werden.

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EDITION NEU DENKEN.